Positive Emotionen bei Kindern fördern

Positive Emotionen bei Kindern fördern

Jan 23, 2026

Was fühlst du gerade? Ja, jetzt gerade, während du dies liest? Bist du neugierig, möchtest unbedingt etwas über Wellbeing in Schule oder Familie erfahren? Bist du latent gelangweilt und hast dich versehentlich hierher „verscrollt“? Bist du gut drauf, weil du gerade ein bisschen Zeit für dich hast? Oder traurig, weil gerade irgendwas in deinem Leben nicht rund läuft?

Was auch immer du gerade fühlst (wenn du dir denn erlaubst, mal einen Moment ehrlich hinzufühlen): Emotionen sind Teil der menschlichen Natur. Sie geben uns Aufschluss darüber, was wir gerade erleben und helfen uns zu entscheiden, wie wir reagieren sollen. 

Emotional Awareness

Wir spüren unsere Emotionen schon im Babyalter. Säuglinge und Kleinkinder fühlen und zeigen Emotionen, aber sie sind noch nicht in der Lage, die Emotion zu benennen oder zu sagen, warum sie sich so und nicht anders fühlen.

Wenn wir heranwachsen, werden wir immer besser darin, unsere Gefühle zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Es braucht Übung, Mut und Lebenserfahrung, die eigene Gefühlswelt zu erforschen und einen kompetenten Umgang mit den verschiedenen Emotionen zu entwickeln, die wir als Menschen zu empfinden in der Lage sind. Manche Menschen sind von Natur aus besser mit ihren Gefühlen vertraut als andere. Sozalisationserfahrungen und gute Vorbilder spielen eine wesentliche Rolle.

Die Fähigkeit zu wissen, was wir fühlen und warum, wird emotionales Bewusstsein (emotional awareness) genannt. Und emotionales Bewusstsein ist der erste Schritt zum Aufbau emotionaler Intelligenz, die wir als Menschen brauchen, um im Leben erfolgreich und glücklich zu sein.

Wie wunderbar wäre es, wenn es für Kinder und Jugendliche auch in Schule und Unterricht Erfahrungsfelder gäbe, um einen kompetenten Umgang mit ihrer Gefühlswelt zu erlernen und positive Emotionen bewusst erzeugen zu können?

 

Positive und negative Emotionen

Eins gleich vorweg, um dich ein bisschen zu verwirren (just kidding): Es gibt keine positiven und negativen Emotionen, zumindest nicht im physiologischen Sinn. Emotionen sind zunächst einmal „nur“ komplexe psychophysiologische Reaktionen auf bestimmte Reize oder Ereignisse. Sie beeinflussen allerdings unser Denken, unser Verhalten und unsere körperlichen Reaktionen. Und es gibt Emotionen, die wir als angenehm, also positiv erleben und solche, die wir als unangenehm, also negativ erleben.

Positive Emotionen sind beispielsweise Freude, Dankbarkeit, Hoffnung oder Liebe. Sie  tragen zu unserem Wohlbefinden bei.

Negative Emotionen wie Angst, Wut oder Traurigkeit haben evolutionär gesehen eine Schutzfunktion, da sie uns auf potenzielle Gefahren hinweisen. Sie sind wichtig und gehören zum Menschsein einfach dazu. Ein Übermaß an negativen Emotionen kann aber zu Stress und psychischen Belastungen führen.

Zusammenhang zwischen Positiven Emotionen und Wellbeing

Wenn wir über emotionales Lernen von Kindern sprechen, darf es natürlich nicht darum gehen, negative Emotionen zu unterdrücken, sie „weghaben zu wollen“. Einen guten Umgang mit schwierigen und herausfordernden Emotionen zu finden, ist ein super-wichtiger Bestandteil sozial-emotionalen Lernens (und ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich für meinen Teil würde sagen: Es ist des Lernens nie ein Ende…).

Es geht aber eben auch darum, positive Emotionen zu entwickeln und zu lernen, wie wir uns auf positive Erfahrungen ausrichten können. Warum sollten wir das tun?

Barbara Frederickson, die die Theorie der Positiven Emotionen entwickelt hat, liefert eine überzeugende Erklärung dafür:

Indem wir uns auf unsere positiven Emotionen konzentrieren und sie erforschen, öffnen wir unseren Geist, erweitern und vertiefen unser Bewusstsein und erleichtern den Aufbau und die Entwicklung von Ressourcen, die wir in unserem Leben nutzen können und die wir brauchen, um ein glückliches und erfolgreiches Leben zu führen. Lass uns das etwas genauer anschauen. 

„Broaden and Build“

Die „Broaden-and-Build“-Theorie nach Fredrickson geht davon aus, dass wir durch bewussteres Wahrnehmen positiver Momente und Emotionen neue Einstellungen und Verhaltensweisen lernen können.

Fredrickson fand in ihren Untersuchungen heraus, dass positive Emotionen die menschliche Wahrnehmung erweitern („broaden“):

Wenn wir positive Emotionen erleben, sind wir in der Lage, eine höhere Zahl an Reizen wahrzunehmen und zu verarbeiten, und es bilden sich mehr neuronale Verknüpfungen. Je mehr wir uns auf positive Emotionen konzentrieren, desto mehr verknüpft sich unser Gehirn mit den Handlungen, die wir ausführen, wenn wir sie fühlen.

Wenn du bewusst Freude empfindest, entsteht daraus der Impuls, freudvolle Dinge zu tun und aktiv zu sein. Wenn du dich für etwas total interessierst, ist dies verbunden mit dem Bedürfnis, weiter zu forschen. Wenn du Zufriedenheit bewusst wahrnimmst, lenkst du deinen Fokus auf Genuss und Dinge, die genussvolle Erfahrungen erzeugen. Wenn du dich lebendig fühlst und das bewusst wahrnimmst, entstehen kreative Ideen du das Bedürfnis, sich kreativ auszudrücken.

Fredericksen zeigt auf, wie positive Emotionen zunächst das momentane Gedanken- und Handlungsrepertoire des Einzelnen erweitern können.

Dieser kurzfristige Ressourcen-Aufbau führt zum Aufbau langfristiger Ressourcen („build“): Über die Zeit schafft das erweiterte Verhaltensreservoir neue Fähigkeiten und Ressourcen. So kann beispielsweise das Interesse an einer Landschaft zu wertvollem navigatorischen Wissen führen.

Die Theorie legt dar, wie Momente angenehmer Emotionen – wie flüchtig sie auch immer sein mögen – zu Resilienz, Wohlbefinden und Gesundheit eines Menschen beitragen.

Durch das bewusste Fokussieren auf positive Emotionen können neue oder stabilere Beziehungen aufgebaut werden, Probleme gelöst und neue Möglichkeiten genutzt werden, Fähigkeiten können erlernt oder verbessert werden, es wird mehr Selbstwirksamkeit erlebt und die Resilienz wird gestärkt. Die neuen Ressourcen führen wiederum zu positiven Emotionen, was eine Aufwärtsspirale in Gang setzt.

 

 

Die Bedeutung positiver Emotionen für das Lernen von Kindern

Fredricksons „Broaden-and-Build“-Theorie beschreibt, dass positive Emotionen nicht nur kurzfristig angenehme Gefühle auslösen, sondern langfristig kognitive, soziale und emotionale Ressourcen aufbauen können. Bezogen auf Schule und Lernen bedeutet dies, dass eine Umgebung, die positive Emotionen fördert, nicht nur die Lernmotivation erhöht, sondern auch die psychische Widerstandsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler stärkt.

„Positive emotions don’t just change the content of our minds; they change the capacity of our minds.“ – Barbara Fredrickson

Für Lehrkräfte bedeutet das: Je mehr positive Emotionen im Unterricht gefördert werden, desto mehr profitieren sowohl Lehrende als auch Lernende. Ein Schulalltag, der bewusst auf positive Emotionen setzt, kann Stress reduzieren, Kreativität steigern und die Resilienz von Schülerinnen und Schüler fördern: 

Positive Emotionen steigern die Lernmotivation

Schülerinnen und Schüler, die sich in einer positiven Umgebung wohl und sicher fühlen, sind motivierter und lernen effektiver. Freude am Lernen führt zu nachhaltigem Wissenserwerb. Im Grunde geht Lernen ohne Freude und Begeisterung gar nicht, wie wir aus der Lernforschung wissen.

Positive Emotionen bauen langfristig Ressourcen auf.

Fredricksons Forschung zeigt, dass positive Emotionen dazu beitragen, emotionale, soziale und kognitive Ressourcen zu entwickeln. Das bedeutet: Wer häufig Freude, Dankbarkeit oder Stolz empfindet, wird langfristig widerstandsfähiger gegen Stress und Herausforderungen. Für Schule bedeutet dies ggf. ein Umdenken. Was, wenn es Spaß machen darf? Was, wenn das Kriterium „positive Emotionen“ in Unterrichtsplanung einbezogen würde?

Positive Emotionen verbessern Beziehungen

Ein Lächeln kann ansteckend sein – und das gilt auch für positive Emotionen. Lehrkräfte, die Freude und Begeisterung ausstrahlen, schaffen eine positive Atmosphäre im Klassenzimmer, die das soziale Miteinander fördert. Also, wenn du Lehrkraft bist, beobachte dich und deinen Unterricht doch einmal selbstkritisch durch diese Brille: Was strahlst du aus? Ist dein Unterricht freude-induzierend?  

Positive Emotionen erweitern den Blickwinkel

Wenn wir uns gut fühlen, sind wir offener für neue Erfahrungen, kreativer und kooperationsbereiter. Dies ist besonders wertvoll in der Schule, wo es nicht nur um Wissen, sondern auch um soziale und emotionale Entwicklung geht. Positive Emotionen sind die Voraussetzung dafür, dass Schülerinnen und Schüler wirklich „lernbereit“ sind: offen für Neues, bereit, sich auf Themen einzulassen, die sie vielleicht auf den ersten Blick nicht interessieren oder auf die Zusammenarbeit mit Mitschülerinnen und Mitschülerinnen, die nicht ihre „best buddies“ sind.

Positive Emotionen in der Schule fördern - 5 Tipps für Lehrkräfte

1. Wertschätzung zum Ausdruck bringen

Versuche, im Umgang mit deinen Schülerinnen und Schülern immer wieder deine Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Du kannst auch Lob und Anerkennung bewusst einsetzen: Ein ehrliches Kompliment oder eine kleine Wertschätzung kann das Klassenklima positiv beeinflussen und positive Emotionen bei deinen Schülerinnen und Schülern erzeugen.

2. Humor im Unterricht nutzen

Versuche, im Umgang mit deinen Schülerinnen und Schülern immer wieder deine Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Du kannst auch Lob und Anerkennung bewusst einsetzen: Ein ehrliches Kompliment oder eine kleine Wertschätzung kann das Klassenklima positiv beeinflussen und positive Emotionen bei deinen Schülerinnen und Schülern erzeugen.

3. Freudvolle Lernerfahrungen ermöglichen

Wie kannst du deinen Schülerinnen und Schüler eine Freude machen? Wie kannst du freudvolle Lernerfahrungen ermöglichen? Freude (Joy) ist eine der stärksten positiven Emotionen.

Ein schönes Spiel für die letzte Stunde vor den Ferien vorbereiten? Die Klasse mit einem Klassen-Adventskalender überraschen? Die Kinder in einer Unterrichtseinheit die Möglichkeit geben, selbst zu wählen, woran sie arbeiten wollen? Werde kreativ.

4. Dankbarkeit in der Klasse kultivieren

Dankbarkeit zu empfinden, das ist ein durch und durch positives Gefühl. Unzählige Studien gelegen die positive Wirkung einer regelmäßigen Dankbarkeitspraxis. Vielleicht kannst du ein Mini-Ritual in deiner Klasse etablieren?

Starte die Stunde, den Tag oder die Woche mit einer kurzen Dankbarkeitsrunde, in der Schülerinnen und Schüler positive Erlebnisse mit der Klasse teilen, mit einer Lernpartnerin oder einem Lernpartner teilen oder für sich alleine aufschreiben.

5. Positiven Fokus kultivieren 

Wir Menschen neigen dazu – und das gilt ja auch schon für Kinder – eher auf das Negative zu fokussieren als auf das Positive. Nagative Gedanken führen zu negativen Emotionen, positive Gedanken führen zu positiven Emotionen.

Führe die einfache Reflexionsübung „Three Good Things“ ein, um die Wahrnehmung für das Positive bei deinen Schülerinnen und Schülern zu schärfen.

 
Und so geht’s:
  • Gib deinen Schülerinnen und Schülern (beispielsweise am Ende einer Woche) einige Minuten Zeit, um drei Dinge aufzuschreiben, die in der zurückliegenden Woche gut waren.
  • Dann notieren die Kinder, warum diese positiven Dinge passiert sind, welchen Anteil sie daran hatten und wie sie sich dabei gefühlt haben.
  • Im letzten Schritt notieren die Schülerinnen und Schüler, was sie tun können, um diese oder ähnliche positive Erfahrungen wiederholen zu können.

Studien zeigen, dass diese einfache Methode das Wohlbefinden steigert, Stress reduziert und das allgemeine Glücksempfinden erhöht. 

Fazit: Kleine Veränderungen - große Wirkung 

Positive Emotionen sind kein nettes Extra, sondern essenziell für eine gesunde und produktive Lernumgebung. Wir als Lehrkräfte haben die Möglichkeit, durch kleine, bewusste Veränderungen das Wohlbefinden im Klassenzimmer zu steigern – und davon profitieren alle.

Wie möchtest du positive Emotionen morgen in deinem Klassenzimmer fördern? 

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